Wechselwirkungen durch den Leberstoffwechsel
Über das Blut gelangen nicht nur Stoffe aus der Nahrung zur Leber und werden dort mit Hilfe von Enzymen um- oder abgebaut, sondern auch die meisten Medikamente und Drogen. Da aber sowohl Medikamente als auch Drogen die Leberenzymsysteme beeinflussen, das heißt Ab- und Umbauprozesse verlangsamen oder beschleunigen können, sind hier Wechselwirkungen möglich. So behindern manche HIV-Medikamente (vor allem Norvir) den Abbau von Drogen wie z. B. Ecstasy, Speed, Crystal und GHB, wodurch diese stärker und länger wirken - hier ist es schon zu Todesfällen gekommen. Andere Substanzen wiederum beschleunigen Stoffwechselprozesse in der Leber und können so zu Unterdosierungen führen: Sustiva, Viramune, Viracept und Kaletra z. B. senken den Wirkstoffspiegel von Substitutionsmitteln, so dass Entzugserscheinungen möglich sind. (Bis zum Auftreten solcher Unterdosierungen vergehen allerdings meist zwei bis drei Wochen, nachdem mit der regelmäßigen parallelen Einnahme der genannten Medikamente und des Substitutionsmittels begonnen wurde - etwa nach einer Therapieumstellung.)
Welche Wechselwirkungen auftreten und wie stark sie ausfallen können, hängt unter anderem von den eingenommen Substanzen, den Einnahmezeitpunkten, der Dauer und Häufigkeit des Konsums sowie der Wirkstoffstärke, Reinheit und Menge der eingenommenen Droge(n) ab.
Wichtig ist, über mögliche Wechselwirkungen Bescheid zu wissen,Wechselwirkungen an Psyche und Gehirn
Ziel des Drogenkonsums ist in der Regel eine Bewusstseinsveränderung:
Mit Drogen will man sich in einen euphorischen Zustand versetzen, die
Wahrnehmung verändern, Hemmungen abbauen, Stimmungen intensivieren,
das Gefühl von Klarheit und Tatkraft erzeugen oder sich "wegballern",
Schmerzen lindern oder die Schmerzschwelle herabsetzen, die Lust steigern
und vieles andere mehr - je nachdem, um welche Substanz(en) es
sich handelt und in welcher Situation und Umgebung man sich befindet.
Zu Problemen kann es kommen, wenn Drogen parallel zu Medikamenten
konsumiert werden, die ebenfalls auf die Psyche wirken, oder wenn eine
psychische Erkrankung besteht: Manche Medikamente, darunter auch einige
der gegen HIV gerichteten Mittel, können Nebenwirkungen wie z. B. Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Depression, Aggression oder Verwirrtheit haben,
die durch die Einnahme von Drogen verstärkt werden können. Außerdem
kann es sein, dass nach dem Drogenkonsum plötzlich psychische Nebenwirkungen auftreten, obwohl die HIV-Medikamente vorher gut vertragen
wurden. Und nicht zuletzt kann der Gebrauch von Drogen auch für Menschen
mit HIV problematisch sein, die keine HIV-Medikamente einnehmen,
z. B. wenn sie mit psychischen Problemen wie Depression zu kämpfen haben: Durch HIV verursachte neuropsychologische Symptome können durch
den Einfluss von Drogen verstärkt werden.
Drogen, Sex und HIV
Viele Drogen werden eingenommen, um das sexuelle Erleben und die Lust zu steigern, um sich leichter fallen lassen zu können und die Kontrolle abzugeben, um den Augenblick intensiver zu erleben, um mit dem Partner zu verschmelzen oder auch, um unempfindlicher gegenüber Schmerzen zu werden.
Das kann dazu führen, dass man sich und andere nicht mehr schützen kann (oder will), etwa vor einer Ansteckung mit HIV, Hepatitis oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Hepatitis C wird z. B. besonders bei verletzungsträchtigen Sex-Praktiken wie dem ungeschützten Fisten übertragen, so dass das Übertragungsrisiko steigen kann, wenn Schmerzen nicht mehr wahrgenommen werden.